It's Time The World Knew Her Name

Marvel's Jessica Jones ist da!

Sie ist Privatdetektivin. Sie ist Alkoholikerin. Sie hat eine Vergangenheit, so düster wie die Nacht in Hell's Kitchen. Sie ist die erste weibliche Heldin von Marvel, die ihr eigenes Format bekommt. Sie ist JESSICA JONES. Gespielt wird die gescheiterte Superheldin von Krysten Ritter, bekannt aus Serien wie Breaking Bad und Apartment 23. Die neue Netflix-Serie kombiniert die Härte der ersten mit der Freizügigkeit letzterer.

Ist Jessica Jones Marvels bisher beste Serie? Ich sage: JA!


Natürlich hat Marvel mal wieder die Vorgeschichte zu der neuen Serie als Comic veröffentlicht, um die Fans in Stimmung zu bringen. Sogar Daredevil schaut mal rein!

Das beste: Es ist gratis!!!



AKA Jessica Jones

Alkohol, Sex und Prügeleien - das klingt doch ganz und gar nicht wie eine typische Superhelden-Verfilmung. Es gibt keine bunten Kostüme, keine globalen Katastrophen, die verhindert werden müssen: Jessica Jones wirkt wie eine ganz normale Frau. Nachts geht sie auf Streife und spioniert gegen Bezahlung neurotische Fremdgeher aus.

Doch Jessica ist nicht normal: Sie ist nämlich superstark. Ihre größte Schwäche und Medizin, um den Tag zu überstehen heißt Whisky. Außerdem besitzt sie ein loses Mundwerk und eine unnachahmliche ruppige Art, die vom Publikum gleichzeitig geliebt und gehasst wird. Jessica hat immense Probleme, was Vertrauen angeht, Menschen kann sie nicht ausstehen. Und wehe, man spricht sie auf die anderen „Begabten“ im MCU (Marvel Cinematic Universe) an!

Unsere Anti-Heldin hat in der Vergangenheit ganz miese Erfahrungen gemacht. Und das macht sie zu einer äußerst verletzlichen und menschlichen Figur, in die man sich gut einfühlen kann.


"Du hast mich vergewaltigt!"

David Tennant als eleganter Psychopath Kilgrave (aka Purple Man)
David Tennant als eleganter Psychopath Kilgrave (aka Purple Man)

Jessicas größter Feind ist die wohl realste und bedrückendste Bedrohung im ganzen MCU. Kilgrave ist ein manipulativer Stalker, der von Jessica geradezu besessen ist. Doch das schlimmste ist: Niemand kann sich gegen Kilgrave wehren: Findet er eine Wohnung schön, klingelt er einfach mal an der Tür und sagt den Bewohnern, dass sie nun ihm gehört und sie ihm zu dienen haben. Und sie gehorchen. Kilgrave ist ein Gedankenkontrolleur. Er zwingt Menschen ohne Rücksicht, das zu tun, was er will. Er wirkt wie der schlimmste Egomane und Soziopath auf der Welt - und doch nicht böse: Seine düstere Vergangenheit entschuldigt sein Verhalten beinahe sogar. Jessica stand unter seiner Kontrolle und musste mit ihm zusammen sein. Für ihn töten. Kilgrave selbst ist kein Mörder. Er macht andere zu Mördern. Nun ist er zurück und will in seiner unsterblichen Liebe Jessica zurück. Aber überall, wo er auftaucht hinterlässt er gebrochene Menschen.

Ist Kilgrave jedoch ein Vergewaltiger? Er zwingt seine Opfer ja nicht, er bringt sie nur dazu es zu wollen. Obwohl sie es nicht wollen. Wie bei Daredevil, dauert es eine Weile, bis der große Schurke eingeführt wird. Und das ist auch genau richtig so. Vincent D'Onfrios Version des skruplellosen Verbrecherbosses Fisk, mit dem man dennoch Mitleid hat, wirkt auf mich jedoch deutlich böser als Kilgrave. Kilgrave hat jedoch den größeren Albtraum-Faktor.

Fabelhaft gespielt wird er von David Tennant (Doctor Who), der den selbstsüchtigen Gentleman besonders im Original mehr als glaubhaft rüberbringt.

"Patsy!", Rambo und andere

Patricia "Trish" Walker ist Jessicas beste Freundin und wollte sie einst zur Superheldin machen. Doch ihre Wege trennten sich, als Jessica unter Kilgraves Kontolle geriet. Trish war früher ein Kinderstar und wirkt durch ihre aufgeschlossenes, gutmütiges Wesen wie das krasse Gegenteil der Protagonistin. Sie ist einfach ein Charakter zum verlieben! Hätte sie Superkräfte würde sie wahrscheinlich selbst das Böse bekämpfen. Ihr zur Seite steht Simpson, ein Polizist, der von Jessica „Rambo“ genannt wird. Es geht die Dinge meist sehr stürmisch an.

Malcolm ist ein Junkie aus Jessicas Nachbarschaft, der trotz allem ein netter Kerl ist, auch wenn Jessica manchmal hart zu ihm ist.

Jeri Hogarth ist eine erfolgreiche Anwältin und versorgt Jessica mehr oder minder freiwillig mit Fällen. Außerdem ist sie lesbisch und liefert sich einen Rosenkrieg mit ihrer Ex-Frau in spe, während sie mit ihrer Sekretärin anbandelt.

Zu guter letzt wäre da noch Luke Cage. Wie Jessica ist er „begabt“, wodurch die beiden sich eng miteinander verbunden fühlen. Sie wären das perfekte Paar, hätte Jess nicht ein dunkles Geheimnis, das Luke persönlich betrifft.

 

So viel Konfliktpotenzial in einer Serie ist ja schon mal ein eindeutiger Garant für Spannung und Unterhaltung. Durch die zahlreichen Handlungsstränge wird die Serie nie langweilig!


Die erste Folge...

Um ehrlich zu sein, die erste Folge von Marvel's Jessica Jones war eher nicht fesselnd. Ich schaute die Episode und fragte mich, wann endlich die versprochene Action, der krasse Humor und perfiden Psychospielchen kommen. Offensichtlich in den anderen zwölf Folgen. Und genau so war es! Während Ep. 1 „Ladies' Night“ eher eine schleppende, um nicht zu sagen langweilig gestaltete Exposition zur Thematik ist, wird danach ganz doll aufgedreht und steigert sich immer mehr. Man kann nicht mehr aufhören zu gucken, das Phänomen binge watching (Komaglotzen) zeigt seine Wirkung. Bsonders ab dem Moment, in dem Kilgrave seine ganze Bildschirmpräsenz entfaltet wird die Serie zu einem Spektakel, das alles Vorherige um Längen schlägt. Bleibt also unbedingt dran, selbst wenn euch die erste Folge nicht gefallen hat!!


Ihr wisst nicht, wer Jessica Jones ist?

Dann schaut euch mein neuestes Video an! Alles, was ihr zu JJ wissen müsst!


Das Fazit?

Zunächst möchte ich ein Lob an den fantastischen und hochkarätigen Cast ausprechen. Hut ab! Und hier mein persönlicher Tipp: Schaut euch Jessica Jones im O-Ton an. Der Mehrwert ist erstaunlich, besonders dank dem britischen Akzent von David Tennant. ;)

JJ geht nochmal einen anderen Weg als der Vorgänger Daredevil, der sich ebenfalls vom bunten, effektheischenden Kino-Universum distanziert. Dennoch schaffen es beide Serien den Marvel-typischen Charme zu behalten und zeichnen sich gerade durch die exzellent ausgearbeiteten Gegenspieler aus.

Ist JJ aber besser als DD? Wenn ihr mich fragt, kann man die beiden nicht recht vergleichen, da sie sich in unterschiedlichen Genres bewegen. Was die Härte angeht, ist DD auf jeden Fall der Vorreiter, JJ zeigt ganz offenherzig, dass auch im Marvel-Universum Sex Bestandteil des täglichen Lebens ist. Mir persönlich gefällt die Erzählweise von JJ besser, DD hingegen ist einen Tick anspruchsvoller.


Wie ihr seht, ist also für jeden was dabei - was Marvels Serien angeht, die ich mittlerweile sogar lieber mag als die Filme, die langsam doch recht oberflächlich werden (The Return of the First Avenger ausgenommen). Ich freue mich auf jeden Fall schon auf The Defenders, auf die es schon mal einen kleinen Vorgeschmack gab. Hoffentlich dürfen wir uns bald auf eine zweite Staffel Jessica Jones freuen. Doch mich interessiert auch eure Meinung: Habt ihr Jessica Jones gesehen? Wie fandet ihr's? Schreibt's in die Kommentare, denn...

Eure Meinung ist mir wichtig!

Fest steht, dass Jessica Jones ganz unverblümt mit Dingen umgeht, die gerade im Bereich Comic bisher für gewöhnlich tabuisiert wurden - besonders bei Marvel. So werden heikle und sehr kontroverse Themen angeschnitten, wie zum Beispiel Homosexualität, Sex im Allgemeinen, Drogenabhängigkeit, Vergewaltigung, Abtreibung und und und....

JJ ist also eine wahre Innovation auf dem Serienmarkt! Endlich sind Comiccharaktere nicht nur die strahlenden Helden, sondern auch mal menschliche, gebrochene und verletzliche Leute, die dieselben Probleme haben wie wir.


Von Jonas Helmerichs


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