Die Wahrheit über das Fantastic Four-Reboot

Dieser Film hatte die besten Voraussetzungen, um ein revolutionärer Comic-Film mit einem für Marvel eher untypischen düsteren Anstrich zu werden. Bereits der Trailer erinnerte an das Sci-Fi-Masterpiece Interstellar und ließ große Hoffnungen aufkommen. Der Regisseur ist der Newcomer Josh Trank, der mich persönlich mit seinem Kino-Debüt, dem dramatischen Mystery-Thriller Chronicle - Wozu bist du fähig? umgehauen hat. Das Drehbuch verfasste unter anderem Simon Kinberg, der auch für X-Men: Zukunft ist Vergangenheit mitverantwortlich war, der nach meiner Meinung zu den besten Filmen der X-Reihe gehört. Hinzu kommt der mit Jungstars gespickte Cast: Allen voran House of Cards-Star Kate Mara, Jamie Bell, der sich als Billy Elliot in die Herzen der Zuschauer tanzte, Michael B. Jordan, der mich durch seine Performance in Chronicle überzeugt hat (und damit bereits zum zweiten Mal mit Regisseur Josh Trank arbeitet), und Toby Kebell - bekannt aus Filmen wie Zorn der Titanen oder als Affe Koba aus Planet der Affen: Revolution.

Vor zehn Jahren erblickten die Fantastic Four das erste Mal die große Kino-Leinwand
Vor zehn Jahren erblickten die Fantastic Four das erste Mal die große Kino-Leinwand

Zuallererst versprach der Film von 20th Century Fox dem Fantastic Four-Franchise aus dem Hause Marvel eine Frischzellenkur zu verpassen, nicht nur durch die deutlich jüngere Besetzung, sondern auch durch die moderne Umsetzung des Comic-Klassikers, der noch heute als „First Family“ von Marvel gefeiert wird. Im Jahre 1962 erfand sie Marvel-Großmeister Stan Lee als Pendant zu DCs Justice League und setzte damit neue Maßstäbe, die ein ganzes Genre revolutionieren sollten. Die beiden ersten Verfilmungen von 2005 und 2007 ließen die Kinokassen aber nur leise klingeln und waren den Fans auch eher schlecht als recht.

 

The Fantastic Four verhieß eine moderne, düsterere Interpretation des Stoffes. Dazu nahmen sich die Macher des Filmes die zeitgemäßere Neuüberarbeitung aus den Ultimate Comics vor.  Die vier jungen Wissenschaftler wollten darin nicht zum Mond fliegen, um die Russen im „Space Race“ zu überholen, wie in der Version von '62, sondern tüftelten an einem Teleportationsgerät, das zugleich ein Tor zu einer anderen Dimension war. FANT4STIC, wie der Streifen auf Postern betitelt wird, greift diese Idee auf.

Leider kam das Reboot ganz und gar nicht gut an. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Josh Trank den Film einen Tag vor Release über Twitter schlecht machte. Das Studio Fox war offensichtlich nicht mit seiner Arbeit einverstanden und hatte nachträglich umfangreiche Änderungen vorgenommen. Kurz darauf löschte Trank den Tweet aber wieder. Zudem wurde viel Furore darum gemacht, dass Johnny „die menschliche Fackel“ Storm im Film von dem afroamerikanischen Michael B. Jordan verkörpert wird, was nicht der Comicvorlage entspricht.

Fakt ist, dass The Fantastic Four heute als der schlechteste Marvel-Film aller Zeiten gilt. Zurecht?

Ist The Fantastic Four wirklich so schlecht?

Ich hatte große Erwartungen an The Fantastic Four, wie so viele Fans. Doch traurigerweise war der Film enttäuschend. Die Erzählweise ist quälend linear und vorhersehbar. Einen Spannungsbogen und überraschende Wendungen sucht man vergeblich. Die erste Hälfte des Films bis zum Erhalt der Kräfte erzählt sich die Story recht eintönig, wenn auch mit ein paar guten Einfällen. Zur zweiten Hälfte wird dann eine klare Steigerung deutlich - aber dann tritt mit Dr. Doom der Schurke auf den Plan und alles geht den Bach runter. Das Finale des Films fühlt sich an, als befänden wir uns in einem schlechten Trash-Film, gerade was die Effekte angeht: Denn Dr. Doom sieht einfach nur lächerlich aus. Marvel hat ja immer Probleme mit tiefgründigen Bösewichtern, aber dieser Doom war definitiv der Tiefpunkt. Von gut inszenierter Action fehlt jede Spur. Außerdem passiert alles so plötlzlich und fühlt sich derart gestaucht an, dass man das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben.

Was mich aber am meisten enttäuscht hat, war die so genannte „Charakterentwicklung“; die es nämlich gar nicht gibt. Tiefgründige Charakterstudien, wie sie besonders bei den Fantastic Four angebracht, ja sogar nötig sind, werden nur angerissen. Hinzu kommt, dass wir schlechte schauspielerische Leistungen zu Gesicht bekommen, zum Leidwesen insbesondere von Kate Mara, die die Sue Storm einfach so hölzern spielt, dass man glaubt eine Maschine zu sehen. Zudem ist die Figur des Mentors Franklin Storm so ein eindimensionaler Charakter, dass man ihn auch gleich hätte weglassen können.

Dr. Victor von Doom ist mal wieder der Erzfeind
Dr. Victor von Doom ist mal wieder der Erzfeind

Die Ansätze bei der Entwicklung von Victor von Doom haben mir wirklich gefallen, leider waren es aber auch nur Ansätze. Und am Ende des Films ist es doch sehr übertrieben, wie er sich zum rücksichtslosen Mörder und Weltenzerstörer gewandelt hat. Das ist nicht der Dr. Doom, den wir aus den Comics kennen: Denn wieder wurde nicht der richtige Ursprung erzählt, nicht mal dieselben Kräfte hat er! Stattdessen schießt er mit extradimensionaler Energie und wirft Gegenstände per Gedanken durch die Luft. Auf dieselbe Weise wirkt auch Reed Richards eher wie ein sympathischer Typ von nebenan, der nur zufällig ein Portal in ein anderes Universum entdeckt hat. Das pragmatische und geniale Köpfchen, wie wir es von ihm erwarten, finden wir jedoch in Sue Storm, wodurch sie nur mehr zum Automaten mutiert. Auch von Jamie Bell sieht man nur sehr wenig. Da macht es einen traurig, dass hinter seiner Steinfassade jegliche Mimik untergeht. Michael B. Jordan als Fackel hat mir dagegen gut gefallen, ebenso wie Miles Teller als Reed Richards.

Das Konzept, das Regisseur Josh Trank benutzt, würde wohl besser bei einer Serie funktionieren, wie es mir scheint. Leider hat der Streifen mich sehr enttäuscht, aber das kann auch ganz einfach daran liegen, dass ich meine Erwartungen zu hoch geschraubt hatte. Und ich kann allen Fans raten: Habt NIE zu hohe Erwartungen! Damit macht ihr euch nur Filme kaputt! The Fantastic Four ist mit Sicherheit nicht der beste Film von Marvel, vielleicht sogar der schlechteste. Aber er ist sicher nicht so schlecht, wie er in den Medien gemacht wird. The Fanatstic Four wird gerade so sehr verrissen, wie seiner Zeit Green Lantern von DC. Und der war auch nicht kompletter Mist. Pleiten kommen nun mal vor. Aber selbst ein schlechter Marvel-Film ist immer noch guter Durchschnitt. Und es war auf jeden Fall interessant, mal eine eine neue, frische Interpretation der Charaktere und des Stoffes zu sehen. Übrigens wurde bereits eine Fortsetzung angekündigt - trotz der negativen Resonanz.

 

Mein Tipp: Schaut euch den FANT4STIC auf DVD oder Blu-Ray an und überzeugt euch selbst.

 

von Jonas Helmerichs


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